0221 13 00 30 30
praxis@rheinkardio.de
16 | 02 | 2022

Kardioversion – Wie geht es danach weiter?

Die Kardioversion soll den normalen Rhythmus des Herzens wiederherstellen. Erfahren Sie in diesem Artikel, wie diese medizinische Maßnahme funktioniert, welche Risiken sie birgt, wie hoch die Erfolgsrate ist, und was bei der Nachbehandlung zu beachten ist.

Der Sinusknoten im rechten Herzvorhof ist der Haupttaktgeber für einen Herzschlag. Das hier gebildete elektrische Signal gelangt über ein Reizleitungssystem in die Herzkammer. Hier entsteht eine Muskelkontraktion bzw. ein Herzschlag.

Treten Herzrhythmusstörungen auf, können Patienten*innen unter bestimmten Voraussetzungen von einer Kardioversion (Normalisierung des Herzrhythmus) profitieren. Die Entscheidung, ob solch ein nicht-invasiver Eingriff infrage kommt, wird vorab individuell vom Arzt oder der Ärztin mit dem Patienten/der Patientin getroffen.

Was ist eine Kardioversion und wieso muss sie durchgeführt werden?

Die Kardioversion ist ein kardiologisches medizinisches Verfahren mit dem Ziel zur Wiederherstellung eines normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus). Indiziert ist sie bei tachykarden (schnellen) Herzrhythmusstörungen. Also dann, wenn das Herz aufgrund der Tachykardie nicht ausreichend Blut in den Kreislauf pumpt. Zu den Krankheiten mit diesen Rhythmusstörungen gehören zum Beispiel:

  • Vorhofflimmern: Hierbei handelt es sich um eine der häufigsten Rhythmusstörung. Das Herz schlägt unregelmässig und meist auch sehr schnell. Aber auch langsamer unregelmässiger Herzschlag ist hierbei möglich.
  • Vorhofflattern: Diese Rhythmusstörung geht vom rechten Vorhof des Herzens aus. Hier bilden sich kreisende Erregungen (atriale Makro-Reentry-Erregung).
  • AV-Knoten-Reentry-Tachykardie: Im AV-Knoten kreisen elektrische Impulse. Infolgedessen können Symptome wie plötzliches Herzrasen, Schwindel und Ohnmachtsanfälle auftreten.
  • Kammertachykardien: Hier entstehen unkontrollierte elektrische Impulse, zum Beispiel in den Herzkammerwänden.
  • Wolff-Parkinson-White-Syndrom: Durch zusätzliche Leitungsbahnen wird das Herz fehlerhaft erregt, sodass es anfallsartig zu schnell schlägt.

Vorhofflimmern: Häufigste Kardioversion Indikation

Für eine Kardioversion ist die häufigste Indikation das Vorhofflimmern, wovon meistens ältere Menschen ab dem 70. Lebensjahr betroffen sind.

Der unregelmäßige Herzrhythmus (Arrhythmie) resultiert beim Vorhofflimmern daraus, dass in den Herzvorhöfen kreisende elektrische Erregungen entstehen. Die Herzvorhöfe füllen sich nicht vollständig mit Blut und die vom Herzen ausgeworfene Blutmenge reduziert sich.

Viele Menschen bemerken das Vorhofflimmern nicht. Wiederum verspüren andere Menschen ein Herzrasen oder ein Herzstolpern. Vorhofflimmern kann hierbei wenige Minuten, Stunden oder aber auch über Tage anhalten. Bei andauernder Rhythmusstörung kann dann eine medikamentöse oder elektrische Kardioversion zum Einsatz kommen.

Was ist eine medikamentöse Kardioversion?

Wenn eine Kardioversion medikamentös durchgeführt wird, kommen am häufigsten die Medikamente Propafenon oder Flecainid zur Anwendung. Diese blockieren entweder bestimmte Rezeptoren oder Ionenkanäle, sodass sich die Herztätigkeit normalisiert.

Die Patienten*innen bekommen das Medikament intravenös gespritzt. Gleichzeitig ist es notwendig, ein Elektrokardiogramm (EKG) zur Kontrolle durchzuführen, da Herzrhythmusstörungen oder ein verlangsamter Herzrhythmus auftreten können.

Zur Vorbeugung von Thrombosen erhalten die Patienten*innen zudem noch ein blutgerinnungshemmendes Medikament.

Was ist eine Kardioversion durch den Defibrillator?

Generell orientieren sich Ärzte und Ärztinnen an den Kardioversion Leitlinien. So ist es vor der elektrischen Kardioversion notwendig, dass die Patienten*innen etwa drei bis vier Wochen lang Antikoagulantien (blutgerinnungshemmende Arzneimittel) einnehmen, um Thromben (Blutgerinnsel) zu verhindern.

Am Behandlungstag selbst wird zunächst ein 12-Kanal-EKG geschrieben. In einigen Fällen ist es auch notwendig, ein transösophageale Echokardiografie („Schluckultraschall“) durchzuführen. Dabei handelt es sich um eine spezielle Ultraschalluntersuchung des Herzens.

Das Ultraschallgerät wird durch die Mundhöhle in die Speiseröhre bis zum Mageneingang geschoben. Die Untersuchung wird meist mit einer leichten „Beruhigungsspritze“ im Dämmerschlaf durchgeführt. Mithilfe dieses bildgebenden Verfahrens lassen sich die Aorta sowie bestimmte Teile des Herzens darstellen. Außerdem können Blutgerinnsel im linken Vorhof erkannt werden. Dieses Risiko besteht insbesondere beim symptomatischen Vorhofflimmern.

Wie funktioniert eine Elektrokardioversion?

Anschließend bekommt der Patient/die Patientin auf die Brustwand zwei Elektroden geklebt, die an einen Defibrillator angeschlossen sind. Zehn weitere Elektroden dienen der kontinuierlichen EKG-Kontrolle.

Durch eine Venenverweilkanüle erhalten Patienten*innen ein schnell wirkendes Narkosemittel (Kurznarkose). Der Defibrillator erkennt anhand der R-Zacken im EKG die Herzaktion und gibt den Impuls (Stromschlag) synchron mit dieser ab. Durch den Stromimpuls soll der zu schnelle Herzschlag unterbrochen werden. Anschließend kann sich der Herzmuskel wieder geordnet zusammenziehen, sodass der Sinusrhythmus (normale Rhythmus) wiederhergestellt ist.

Den Stromschlag selbst spüren die Patienten*innen nicht. Es können aber Hautrötungen an den Stellen der Defibrillatorelektroden auftreten. Diese bilden sich nach kurzer Zeit wieder zurück.

Kardioversion – wie oft?

Um das Vorhofflimmern zu beenden, ist meist die einmalige Kardioversion mit 200 Joule ausreichend. Falls dies nicht der Fall sein sollte, erfolgt eine erneute Schockgabe mit einer höheren Energiestufe.

Kardioversion: Die Nachbehandlung und worauf Sie achten sollten

Nach der Kardioversion werden die Patienten*innen noch für einige Zeit betreut und mit einem EKG überwacht. Mithilfe eines nochmaligen 12-Kanal-EKGs wird dann der Kardioversionserfolg dokumentiert und es erfolgt ein Abschlussgespräch mit dem Arzt oder der Ärztin.

Um den Sinusrhythmus dauerhaft beizubehalten, verordnen Ärzte und Ärztinnen Beta-Blocker oder aber Medikamente wie bei der medikamentösen Kardioversion. Dies ist notwendig, um das Risiko für ein Blutgerinnsel, das durch den veränderten Blutfluss durch die Wiederherstellung des normalen Rhythmus entstehen könnte, zu senken.

Zwar erhält der Patient/die Patientin  lediglich eine Kurznarkose, dennoch ist die Teilnahme am Straßenverkehr für etwa 24 Stunden zu vermeiden. Ebenso das Bedienen von Maschinen.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zur Kardioversion

Wie lange dauert eine elektrische Kardioversion?

In der Regel wird die elektrische Kardioversion ambulant durchgeführt. Auch wenn der nicht-invasive Eingriff nur wenige Minuten dauert, müssen Patienten*innen die Zeit für die Voruntersuchungen und die Beobachtungszeit nach der Kardioversion mit einplanen. Somit kann der Aufenthalt in der Praxis oder im Krankenhaus vier bis sechs Stunden dauern.

Wie erfolgreich ist eine Kardioversion?

Bei der medikamentösen Kardioversion liegt die Erfolgsrate zwischen 40 und 60 Prozent. In der Regel führt die elektrische Kardioversion unmittelbar wieder zu einem normalen Herzrhythmus. Die anhaltende Erfolgsrate der Kardioversion wird jedoch von unterschiedlichen Faktoren, wie zum Beispiel dem Alter,  der Grunderkrankung sowie der Dauer des Vorhofflimmerns beeinflusst.

Kardioversion war nicht erfolgreich – welche Alternative gibt es?

Wenn die Kardioversion nicht erfolgreich war, kann für ausgewählte Patient*innen eine elektrische Verödung (Ablation) in den Vorhöfen des Herzens zum Einsatz kommen. Eine Verödung der Lungenvenen, die sogenannte Pulmonalvenenisolation wird hier häufig bei Patienten/Patientinnen mit symptomatischem Vorhofflimmern durchgeführt.

Sollte das Herz deutlich vorgeschädigt sein und eine dauerhafte Kontrolle des normalen Rhythmus als unwahrscheinlich eingestuft werden, käme auch eine reine Herzfrequenzkontrolle sowie langfristige Blutverdünnung zur Schlaganfall-Prophylaxe in Betracht.

Wie gefährlich ist eine Kardioversion?

Die mit der Kardioversion einhergehenden Risiken werden gering eingestuft. Entstehen Komplikationen während des Eingriffs, so handelt es sich hierbei meistens um Nebenwirkungen des Narkosemittels wie Blutdruckabfall oder Atemdepression.

Fällen, bei 0,5 bis 1 Prozent aller Behandlungen, kann es durch eine Embolie eines Blutgerinnsels zu einem Schlaganfall kommen. Durch die mehrwöchige Therapie mit einem Medikament zur Blutverdünnung vor der Behandlung ist dieses Risiko jedoch sehr gering.

Zusätzlich werden durch die ergänzende Schluckultraschalluntersuchung mögliche Gerinnsel aufgedeckt und das Risiko eines Schlaganfalles nochmals auf ein Minimun reduziert.